Trotz starker Konkurrenz durch das Oktoberfest war der Saal gut gefüllt: Rund um das Thema „Sicher, lebenswert, für alle – wie wir in der Kommune Mobilität gestalten können“ diskutierten am Dienstagabend der Landtagsabgeordnete Markus Büchler, mobilitätspolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, und Dr. Michael Stanglmaier, dritter Bürgermeister von Moosburg, Referent für Umwelt, Energie und Mobilität sowie Kreisrat im Landkreis Freising. Eingeladen hatte der Ortsverband Mauern, unterstützt vom Ortsverband Moosburg. Bereits am Nachmittag hatten die Teilnehmenden gemeinsam die Schulwege in Mauern begangen.
Enge Fesseln für die Kommunen
Markus Büchler spannte den Bogen von der Verkehrsberuhigung über den Radwegebau bis zum öffentlichen Verkehr. Ausgangspunkt war die Schulwegsicherheit: Kinder sollten möglichst früh selbstständig unterwegs sein können, denn das sei wichtig für Orientierung, Verantwortungsgefühl und Selbstvertrauen. Wo der Weg als gefährlich empfunden werde, bringe eben doch das Elterntaxi das Kind zur Schule – mit Chaos vor den Schulen als Folge.
Dass Kommunen hier oft nicht handeln können, liege an sehr engen rechtlichen Vorgaben. Die Reform der Straßenverkehrsordnung habe zwar kleine Spielräume für mehr Tempo 30, verkehrsberuhigte Bereiche und Zebrastreifen gebracht – Bayern schränke diese aber auf Landesebene wieder ein. Erst vor wenigen Wochen habe das Innenministerium dazu ein 90-seitiges Schreiben an die Behörden verschickt.
„Die Straßenverkehrsordnung ist in Deutschland seit Jahrzehnten ein vermintes, ideologisch aufgeladenes Kampffeld“, sagte Büchler. „In sämtlichen Nachbarstaaten ist das viel entspannter geregelt.“
Beim Radwegebau gehe es voran, aber viel zu langsam: Bei den derzeit zugesagten 1.500 Kilometern entlang von Staatsstraßen hat der ADFC hochgerechnet, dass das Netz erst weit im nächsten Jahrhundert fertig wäre. Und beim ÖPNV beschrieb Büchler eine paradoxe Lage – Fahrgastrekorde dank Deutschlandticket bei gleichzeitig stark gestiegenen Kosten, weshalb Landkreise und Freistaat das Angebot ausdünnen müssten.
Was vor Ort trotzdem geht
Michael Stanglmaier machte konkret, was auf kommunaler Ebene möglich ist. Für Mauern verbessere sich das Busangebot zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 deutlich: werktags ein Halbstundentakt in den Hauptverkehrszeiten mit Anschluss an die Züge am Moosburger Bahnhof, samstags erstmals ein Zwei-Stunden-Takt. Beim Flex-Verkehr stehe ab 2028 die Frage an, ob das On-Demand-Angebot auf Nachbargemeinden ausgeweitet wird – und was dann beim Linienverkehr eingespart werden müsste.
Wichtig sei auch, dass ein Angebot bekannt werde: „Dadurch, dass ein Angebot da ist, wird es noch nicht angenommen. Man muss Marketing machen“, so Stanglmaier. Ebenso entscheidend sei die erste und letzte Meile – sichere Fuß- und Radwege zur Haltestelle, überdachte Abstellanlagen und ordentliche Wartehäuschen.
Beim Radweg zwischen Moosburg und Wang wird derzeit die Entwurfsplanung erstellt; bei gutem Verlauf könnte er in vier bis fünf Jahren fertig sein. In Moosburg selbst sind inzwischen alle Wohngebiete Tempo-30-Zonen, es gibt eine Fahrradzone, Tempo 30 auf mehreren Innenstadtstraßen und einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mit Tempo 20. Am kommenden Montag steht zudem der digitale Schulwegplan im Stadtrat auf der Tagesordnung – ein Werkzeug, mit dem Familien nicht den kürzesten, sondern den sichersten Schulweg für ihr Kind berechnen können.
Sein Fazit fiel entsprechend hartnäckig aus: „Es gibt Möglichkeiten, man muss nur beharrlich sein. Teilweise hat es 20 Jahre gedauert.“
Im Anschluss blieb Raum für Fragen aus dem Publikum – von Schulbussen und Schulstraßen über Fahrradzonen und Piktogrammketten bis zu Carsharing und Fahrgemeinschaften. Diskutiert wurde danach noch lange weiter.
Text erstellt mit KI-Unterstützung